Am Erker 75

Andreas Schumacher: Der Zauberberg in sieben Strophen

 
Rezensionen
Andreas Schumacher: Der Zauberberg in sieben Strophen
 

Kleist, verspeist
Rolf Birkholz

Der Titel lässt natürlich aufhorchen. Doch für lyrische Humoristen sind auch literarische Gipfel leicht abzutragen und als portionierte Beute dem lächelnden Leser vorzulegen. So wird Thomas Manns Roman Der Zauberberg  in Andreas Schumachers Der Zauberberg in sieben Strophen zu sieben Hügelchen, aber immerhin und - gewiss nicht ohne Sinn - zum Titelgedicht.
So verkürzt wird der Roman erkennbar als Geschichte eines nicht wirklich kranken jungen Mannes, der seinen Kuraufenthalt verlängert, bis dieser im Rückblick auch als Symptom einer Art Krankheit zum Krieg erscheint, eine nicht uninteressante Pointe. "Die Zahl // der Toten steigt ständig. Joachim, der Vetter, / stirbt auch. Siebtes Jahr und bescheidendes Wetter: / Hans Castorp betreut den Musikapparat, / dann bricht der Krieg aus - H.C. wird Soldat."
Ein gewisser René Nikolaus Mollenkopf-Kolbenhaupt, Künstlername, schickt sich hingegen im Eingangsgedicht an, der ganz Große zu werden, der er im Kern schon zu sein glaubt: "ich will jurylyrik schreiben / und hauptpreisprosa, / und ein büchnerpreisstipendium will ich". Hier spießt Schumacher, Jahrgang 1981, alle möglichen Begehrlichkeiten und Phantasien in einer Autoren-Super-Ego-Suada auf, einem Gipfelsturm mit atemlosem Anlauf im Flachland.
Weiter lässt Schumacher, meist reimgesteuert, Haarentferner, Dachrinnenverkäufer und Frisurenträger auflaufen, malt in "Büro-Psycho" eine Lokus-Groteske aus: "Ich hatte gerade zwei Akten gesichtet / und dabei so vier bis fünf Kurze vernichtet".
In "Streberreime" wiederum macht der Autor sich einen Reim auf Dramatiker. Während er sich über Jean-Paul Sartre sein "Hirn zermartre", sortiert er Ionesco bei der "UNESCO" ein, findet "LSD" bei Genet, sieht bei Goethe "Nöte" und hat bald auch noch von Kleist "verspeist". In der reimhungrigen Spaßlyrik geht das ganz flott.

 

Andreas Schumacher: Der Zauberberg in sieben Strophen. Gedichte. 54 Seiten. Songdog. Wien 2017. € 15,00.