Monika Littau: über malungen

 
Rezensionen
Monika Littau: über malungen
 

Das Gefühl einer Landschaft
Rolf Birkholz

Satzzeichenfrei lässt Monika Littau die Wörter wirken und hält sie in Versen locker im Zaum. So behandelt sie auch ihre Sujets, Natur und Kunst und auch das lyrische Ich, mithin den Leser. Ihr neuer Gedichtband über malungen handelt in genau der darin mitschwingenden Leichtigkeit eben davon: das immer schon Vorhandene sanft zu übermalen und, im Sinne dieser Wortschöpfung, dabei "Malungen" zu hinterlassen.
Sie "kratzt das leben in die farben / das gefühl einer landschaft", wendet sich die Autorin der Malerin Joan Mitchell zu. Dieser und anderen Künstlerinnen, darunter Gabriele Münter, Frieda Kahlo, Hanna Höch, malt sie knappe Porträts, die Person wie Werk skizzieren.
Jeweils eigene kleine Kapitel bekommen der Land-Art-Künstler Nils Udo, dessen Skulptur "Stein -  Zeit - Mensch" auf dem Skulpturenweg im Rothaargebirge bedichtet wird, und die abstrakte Malerin Mary Heilmann. Poetische Betrachtungen erschließen die abgedruckten Arbeiten dieser Amerikanerin, die Bilder in Sprache übertragend: "das rot war schon immer kein / brot ohne rot no wonder". Und plötzlich spricht so ein abstraktes, vermeintlich hermetisches Bild.
Das ist immer wieder bei Monika Littau zu erkennen: Sie rückt den Dingen nahe, lässt sie gleichwohl in Ruhe, lässt sie selber reden. Ob Natur oder Kunst, sie begegnet den Gegenständen ihrer Gedichte wie der Skulptur von Nils Udo in einem "tempelbezirk ohne ausgrenzung". Tempel schon, aber mit Zugang.
Verbunden, verwoben, verwachsen mit der Natur ("morgenmilch"), fällt der Blick auf die eigene Herkunft der 1955 Geborenen, "wie du aufwächst" steht dafür. Der unbewusste Versuch des Kindes in der Beichte, das "wurzelmuster" des Verhältnisses von Ursünde und eigenen Vergehen zu entschlüsseln. Und "dazu gehören mit faltenröcken / gefalteten händen gefältelten tagen". 
Im Titelgedicht dieses ansehnlich aufgemachten Bandes greift Monika Littau einen Satz von Ann Cotten auf, der für bildende Kunst wie auch das Dichten von Belang ist: "Kunst verwendet Deine Innereien, um ihr Bild in Dir zu generieren." Was du im Bild siehst, im Gedicht liest, ist schon in dir drin.

 

Monika Littau: über malungen. Gedichte. Mit einem Nachwort von Wolfgang Kubin. 98 Seiten. Edition Virgines. Düsseldorf 2016. € 14,00.